Schneewalzer und Trail Running

6 06 2011

Zwei Wochen ist er schon wieder her, der Rennsteig-Marathon. Hier kommt meine Zusammenfassung:

Samstag, 21. Mai 2011
2 Uhr

Mein Wecker klingelt. Eigentlich hätte ich ihn nicht stellen müssen. Lag ich doch schon eine gefühlte Ewigkeit wach. Dank feierfreudiger Nachbarn war an Schlaf nicht wirklich zu denken gewesen. Aber hatte ich nicht gerade letzte Woche erst noch gelesen, dass es nicht die letzte Nacht vor einem Wettkampf ist, auf die es ankommt, sondern die vorletzte Nacht? Gut, zumindest in der vorletzten Nacht hatte ich genügend geschlafen. Ich bin auch jetzt nicht wirklich müde, aber Kaffee muss jetzt trotzdem sein.

3 Uhr
Ich steige ins Auto und verharre für einen Moment. ‘Warum tue ich mir das an?’ Vor mir liegen 3-4 Stunden Autofahrt (google und mein Navigationssystem scheinen sich nicht ganz einig zu sein) nach Neuhaus am Rennweg. Ich gebe zu, dass sich meine Aufregung in Grenzen hält.

3:30 Uhr
Vielleicht sollte ich doch noch einen Kaffee zu mir nehmen?

6:30 Uhr
Ankunft in Neuhaus am Rennweg. Hier ist ja nichts los. Dafür das in nicht ganz drei Stunden 3000 Läufer an den Start gehen sollen sieht alles ganz verschlafen aus. Bin ich hier überhaupt richtig? Ach ja, da sind ja schon einige Schilder zur Anmeldung.

6:40 Uhr
Ich habe meine Startunterlagen und, fast genauso wichtig, einen gelben Beutel für meine Wechselklamotten. Der Rennsteig-Marathon ist ein Punkt-zu-Punkt-Lauf. Man packt also seine Sachen, die man am Zielort gerne hätte in diese Säcke, schreibt seine Nummer drauf und lässt sie dann in den Zielbereich transportieren.
Ich schaue mich noch ein wenig um. So langsam kommt Leben in den Startbereich, aber nach 3000 Läufern sieht es immer noch nicht aus. Wo gibt es denn hier Kaffee?

7:00 Uhr
Ich habe mich ins Auto zurückgezogen für ein zweites Frühstück. Pb&J Sandwiches sind mein absolutes Lieblingsfrühstück, zumindest vor einem Rennen.

7:30 Uhr
Es regnet. Na toll. Meiner Stimmung tut dies nicht gerade gut. In den Autos um mich herum wird man wach. Anscheinend haben nicht wenige die Nacht in ihren Autos campiert. Hm, keine schlechte Idee fürs nächste Jahr. So schnell wie der Regen gekommen ist, so schnell verzieht er sich auch wieder. Das könnte ja doch noch ein netter Tag werden.

8:00 Uhr
Hat da einer der Parkplatzcamper sein Radio zu laut gestellt? Ich höre ganz schlechte Volksmusik. Nein, es ist nicht einer der Camper: auf dem Startplatz hat sich eine Blaskapelle eingefunden und dazu knödeln ein Marianne-und-Michael-Verschnitt Volkslieder. Das ist jetzt ein Witz, oder? Wie sich herausstellt, ist dem nicht so.

8:30 Uhr
Mittlerweile finden sich immer mehr Läufer ein. Nachdem die Sonne vom Moderator begrüsst wurde (sic!), bittet er jetzt alle zum Schneewalzer. Ich komme mir vor wie in einer Episode ‘Twilight Zone’.

8:45 Uhr
Prominente Gäste begrüssen die Läufer. Zunächst die Landrätin, gefolgt von der Bürgermeisterin. Keine Ahnung, was in Neuhaus so politisch passiert, aber es macht den Eindruck, dass Landrätin und Bürgermeisterin sich nicht sonderlich mögen… Vielleicht bin ich aber auch noch nicht wirklich wach.

8:50 Uhr
Das Startareal ist gut gefüllt und jeder scheint in bester Stimmung zu sein. Aus irgendwelchen Gründen bin ich das nicht. Ich möchte diesen Lauf eigentlich nur hinter mich bringen.

9:00 Uhr
Start
Es dauert einige Minuten bis ich über die Startlinie trabe. Nach dem ersten ‘Anstieg’ hellt sich meine Stimmung auf. Meine Beine spielen mit, die Sonne scheint, es ist weder zu warm, noch zu kalt, und ich freue mich auf ein paar schöne Trails.

9:30 Uhr
Immer noch auf Asphalt unterwegs. Ich hätte die Beschreibung der Strecke genauer lesen sollen. Wann geht es denn jetzt auf die Trails?

9:40 Uhr
Ich komme durch die erste Verpflegungsstation. Und greife mir einen Becher Wasser. Oh man, da ist ja Kohlensäure drin… ‘Ne, stilles Wasser haben wir nicht.’, antwortet man mir als ich Nachfrage, ‘Aber Du kannst Cola haben…’ Ich lehne dankend ab und zwinge noch einen Becher Wasser runter.

9:43 Uhr
Ahh, endlich geht’s auf die Trails.

9:50 Uhr
Ich rechne ein wenig. Eigentlich hatte ich mir keine spezielle Zeit vorgenommen, hatte aber überschlagen, dass ich nach 5 bis 5.5 Stunden im Ziel sein sollte. Aber momentan sieht so aus, als würde ich unter fünf Stunden bleiben können.

10:15 Uhr
Die zweite Verpflegungsstation. Ich spare mir die Frage nach stillem Wasser und begnüge mich mit dem sprudelnden Wasser. Ich bin aber auch wirklich durstig. Ich hatte eigentlich gedacht, ich hätte die letzten Tage ausreichend getrunken. Aber irgendwie fühle ich mich ein wenig dehydriert.

10:20 Uhr
Hm, vielleicht könnte ich sogar unter 4:30 Stunden bleiben… Die Stimmung ist gut.

11:05 Uhr
Wir werden von lauter Schlagermusik am Masserberg empfangen. Ich bin der letzte, der bei Laufveranstaltungen eine ‘Samba’-Band an jeder Ecke braucht, aber die hiesige Musikuntermalung ist echt grenzwertig. Ich weiss ja, dass es diese Veranstaltung schon fast 40 Jahre gibt, aber muss man denn unbedingt die Musik von damals spielen?
Die Verpflegungsstation hier am Masserberg ist riesig
und es gibt alles, was das Herz begehrt (allerdings kein stilles Wasser). Soll ich den berühmten
‘Schleim’ probieren? Lieber nicht, es sind noch mehr als 20 Kilometer zu laufen. Keine Experimente.

11:10 Uhr
Es geht zum ersten Mal etwas steiler bergab und ich spüre eine Schmerz in meinem rechten grossen Zeh. Der Schuh scheint nicht richtig geschnürt zu sein und ich stosse ‘vorne’ an. Man, das hat mir jetzt noch gefehlt. Sollte dies der erste Lauf sein, bei dem ich einen Nagel einbüsse? Ich versuche ein wenig mit der Schnürung zu spielen, in der Hoffnung, dass es besser wird. Aber es geht auch schon bald wieder bergauf, und alles ist gut.

11:25 Uhr
Interessante Streckenführung. Eine Art ausgetrocknetes Bachbett oder Hohlweg. Technisch dies der bisher anspruchvollste Teil der Strecke. Immer wieder bilden Wurzeln und Steine Stufen über die man nur leicht stolpern kann. Es geht bergab und es würde sicherlich Spass machen, hier herunter zu wetzen, aber wir gehen. Es ist aber auch nicht genug Platz zum Überholen.
Vielleicht auch gut so, in meinem Übermut würde ich mir sicherlich noch die Ohren brechen.
Mal kurz nachgerechnet… 4:30 Stunden schaffe ich wohl doch nicht mehr… Das wären ja nur noch zwei Stunden…

11:50 Uhr
War das gerade Donner?

12:20 Uhr
Ja, da ist ganz eindeutig ein Gewitter in der Nähe. Es regnet jetzt. Nicht viel. So ein bisschen halt. Eigentlich eine ganz angenehme Abkühlung.

13:00 Uhr
Der Regen ist mehr geworden und so langsam macht es keinen Spass mehr. 10 Kilometer noch.

13:20 Uhr
Das Wasser steht bis zur Oberkante in meinen Schuhen. Hätte ich vielleicht doch zu den Goretex-Schuhen greifen sollen. Interessante Frage. Aber müßig.

13:35 Uhr
Letzte Verpflegungsstation. Es regnet in Strömen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so nass bei einem Lauf gewesen zu sein. Ich bin absolut genervt, die Stimmung ist zumindest bei mir auf dem Nullpunkt. Das kann man nicht von den Freiwilligen an der Verpflegungsstelle behaupten. Die sind wirklich gut drauf und haben ein freundliches Wort für jeden übrig. Und endlich läuft hier auch eine andere Hintergrundbeschallung. Aber für mich kommt das alles zu spät. Ich will wirklich nur noch nach Hause…

13:40 Uhr
Ich spüre, wie durch das ganze Wasser die Haut an meinen Füßen weich wird und sich so langsam lösen möchte.

13:45 Uhr
Hm, der Regen wird weniger. Noch einige wenige Kilometer bist ins Ziel. Vielleicht bin bis dahin wieder trocken. Meine Beine sind schwer und ich gehe ein Stück. Ein Zuschauer am Wegesrand spielt auf einem Akkordeon ‘Mein Vater war ein Wandersmann’. Na, vielen Dank dafür.

13:50 Uhr
In Schmiedefeld. Ein letzter Anstieg noch zum Stadion. Der Regen hat vollständig aufgehört, aber das hilft mir nicht mehr. Ich bin nass und müde.

13:55 Uhr
Im Ziel. Gierig greife ich nach einem Becher mit heissem Tee. Erst jetzt merke ich, dass ich wirklich durchgefroren bin. Ich schaue mich um. Trotz des Wetters haben einige tausend Menschen ins Stadion gefunden. Die Stimmung ist toll. Aber so richtig freuen kann ich mich nicht. Ich bin glücklich, dass ich meinen ersten Marathon (mit 43.5 Kilometern war es eigentlich sogar ein kleine Ultramarathon :) ) ‘gefinished’ habe, aber trotzdem ist mir nicht wirklich nach feiern zu mute.
Ich suche meine Tasche mit den Ersatzklamotten, ziehe mir etwas Trockendes über. Die Haut an meinen Füssen ist weiss und aufgequollen. Es gibt eine empfindliche Druckstellen, aber ansonsten bin ich glimpflich davon gekommen. Das war es dann für heute. Ich stelle mich in die Schlange der Menschen, die auf den Busschuttle nach Neuhaus warten.

16:00 Uhr
Zurück am Auto. Ich telefoniere mit meiner Frau, um sie wissen zu lassen, dass ich den Lauf überstanden habe und ich mich nun auf den Heimweg mache. Ich freue mich wirklich auf zu Hause.

17:30 Uhr
Ich stoppe an einer Raststätte, um mich ein wenig zu strecken. Nur mit Mühe schaffe ich aus dem Auto. Erst jetzt merke ich, dass meine Beine wirklich gelitten haben. Ich eiere also ein wenig über den Parkplatz, um den Blutkreislauf zu stimulieren. Man, was müssen die anderen Leute gedacht haben…

19:30 Uhr
Ich bin wieder zu Hause. Meine Kraft reicht noch gerade aus, um mich auf’s Sofa zu ziehen und von dort eine Pizza zu bestellen.

23:00 Uhr
Zeit, ins Bett zu gehen.

Sonntag, 22. Mai 2011
10:00 Uhr

Ich wache auf und muss erfreut feststellen, dass sich meine Beine gar nicht so schlecht anfühlen. Aber dennoch werde ich ein paar Ruhetage einlegen.

Fazit
Ich muss sicherlich noch etwas an meiner Leistung arbeiten. Es kann gut sein, dass ich die Langen Läufe in den letzten Monaten vernachlässigt habe und das rächt sich jetzt.

Die nächtliche Autofahrt war sicherlich nicht sehr hilfreich. Ich weiss aber nicht, ob ich mich frischer gefuehlt haette, wenn ich im Auto geschlafen haette.

Auch wenn es bei diesem Lauf regelmäßig Verpflegungsstationen gab, habe ich nicht ausreichend getrunken. Nächstes Mal sollte ich eine kleine Flasche mitbringen zur Reserve.

ULTRASports ist immer noch mein ‘Lieblingsgel’. Oder zumindest das Gel, mit dem ich am besten zurecht komme.

Der Rennsteig-Marathon ist ein toller Lauf. Die Strecke ist anspruchsvoll, aber sicher nicht zu anspruchsvoll. Eine schöne Mischung aus Trail- und Landschaftslauf. Die Organisation ist professionell und ausreichend. Man muss sich aber darauf einlassen, dass alles einen recht angestaubten Eindruck macht. Aber hey, dies ist ein Lauf mit langer Tradition. Er hat seine Fans und die wird er auch behalten. Ob ich nächstes Jahr noch einmal starte? Das ist gut möglich.





Durchhänger

9 04 2011

Nun sind schon wieder mehr als drei Wochen seit dem Halbmarathon in Steinfurt und fast vier Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen. Zeit für ein kurzes Update. Zwei Ereignisse scheinen mir erwähnenswert:

Zum Einen habe ich nun einen vollständigen Gesundheitscheck durchlaufen und neben Internist sind auch Pullmologe und Kardiologe vollauf mit mir und meinem Zustand zufrieden. Es stimmt, dass ich einen leicht erhöhten Blutdruck habe, aber die Medikamentenkeule wollte man noch nicht schwingen. Ich solle es lieber mit weniger Salz und mehr Hibiskustee versuchen. Des weiteren soll ich den Blutdruck einfach einmal im Auge behalten, um ein Gefühl zu entwickeln, wie sich der sich so über längere Zeiträume verhält. Als Physiker bin ich ja Freund von Zahlen und Statistiken. Warum also nicht auch den Blutdruck regelmäßig protokollieren? Meiner Läuferkarriere soll der Blutdruck, zumindest zum derzeitigen Stand, nicht im Wege stehen. Das war für mich das ersehnte ‘Go Ahead’ für den Rest der Laufsaison, und ich werde mich mit ruhigem Gewissen bei den 4Trails anmelden.

Ja, und dann war da ja noch der Steinfurt-(Halb-)Marathon. Wie auch im letzten Jahr war der Lauf eine schöne Veranstaltung. Kurz zur Erinnerung: In Steinfurt bin ich 2010 meinen zweiten Halbmarathon gelaufen. Der Lauf ist als Staffel organisiert. Während die Marathonläufer den Rundkurs zwei Mal durchlaufen müssen, kann man sich als Zweier-Team den Marathon teilen. Wie auch im letzten Jahr stand ich mit Guido am Start. Hier ein kurzer Beweis, dass das Wetter auch schon Ende März perfekt war:
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Die Bedingung waren nahezu perfekt. Nicht zu warm und nicht zu kalt, kaum Wind. Es stimmte eigentlich alles. Guido ging als erster auf die Strecke. Ich hatte also noch ein wenig Zeit, mich umzuschauen und ein wenig von der Stimmung anzustecken.
Für diejenigen, die den Lauf in Steinfurt nicht kennen, dies ist ein reiner Landschaftslauf. Zu 95% geht es über kleine Feldwege durch die Bauernschaften von Steinfurt. Natürlich kann man da keine grosse Zuschauerkulisse erwarten. Deshalb weiß ich auch nicht, warum der eine oder andere Läufer sich über die geringe Zuschauerbeteiligung beschwert hat. Man, dies ist nicht Hamburg oder Berlin. Aber jedem das seine.

Guido kam kurz nach Mittag ins Ziel. Fürs nächste Mal sollten wir uns merken, VORHER die Chip-Übergabe zu üben :) Und dann ging ich auf die Strecke. Schnell wurde mir klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich hatte mich vor dem Start gut gefühlt. Ich hätte schwören können, ich war erholt und fit. Aber auf den ersten Kilometern schien ich nicht von der Stelle zu kommen. Ich versuchte mich, zu beruhigen. Ich kenne mich mittlerweile und weiß, dass es bei mir 20-30 Minuten dauert, bis alles ‘rund läuft’. Aber dieses Mal war es anderes. Die Beine wollten partout nicht mitspielen. Mit jedem weiteren Kilometer rückte meine Wunschzeit weiter in die Ferne. Enttäuschung und Ärger machte sich breit. All die Einheiten, die ich in den letzten Monaten absolviert hatte, schienen umsonst. Ich konnte mich nicht wirklich an dem schönen Wetter und der Landschaft erfreuen. Bei Kilometer 10 spielte ich kurz mit dem Gedanken, aufzugeben, verwarf ihn dann aber schnell wieder. So ein Blödsinn. Es gab keinen Grund aufzugeben. Immerhin konnte ich mich noch bewegen.
Die zweite Hälfte des Rennens entwickelte sich dann zu einem Kampf. Ich hatte keinen Spass mehr, aber ich wollte mir auch nicht die Blöße geben und das Handtuch schmeissen. Ich habe mich wirklich ins Ziel gequält. Wie sich herausstellte, war meine Zeit am Ende gar nicht so schlecht. Nicht das, was ich erhofft hatte, aber ich hatte keinen Grund, mich zu beschweren.
Trotzdem war etwas anders. Irgendwie hatte Steinfurt in mir einen Schalter umgelegt. Zum ersten Mal in zwei Jahren, in denen ich jetzt regelmäßig laufe, war mir Freude am Laufen abhanden gekommen. Ich war zu tiefst geschockt. Das sollte sich auch die folgenden Wochen nicht ändern. Ich musste ich mich selbst zum Laufen zwingen.

Ich will auch gar nicht lange philosophieren und ich weiß nicht, was passiert ist. Aber seit letzter Woche fühle ich mich besser. Sehr viel besser. Die Unterstützung, die ich von meinen Lauffreunden auf dailymile erfahren habe, war sehr hilfreich. Ein paar Wochen ohne strikten Trainingsplan haben sicherlich ebenfalls geholfen. Ich bin hauptsächlich auf Trails unterwegs und versuche, die Straße zu vermeiden. Meinen Trainingsplan habe ich von fünf kürzeren auf vier längere Läufe zusammengestrichen. Ich freue mich auf den Sommer und die Läufe, die in den nächsten Monaten anstehen. Ich bin froh, dass dieser Durchhänger wirklich nur eine Phase war. Gut zu wissen, dass auch so etwas vorüber geht. Und ich weiß auch, dass ich nächstes Jahr wieder in Steinfurt am Start stehen werde :)





Göttinger Crosslauf-Serie, Lauf 1

22 11 2010

Die Pläne fürs nächste Jahr werden konkreter. 4 Trails steht nun ganz oben auf meiner Wunschliste. Aber dazu später mehr.

Dies war die erste Woche seit den Worldmasters mit einigen Läufen, die wieder etwas umfangreicher und intensiver waren. Vielleicht noch etwas zu früh, wie mir auch meine Beine zu verstehen geben wollten. Die hätten sich über eine weitere Ruhewoche gefreut. Aber ich wollte am Samstag beim ersten Lauf der Göttinger Crosslauf-Serie starten und ich war nicht wild auf eine böse Überraschung. Ein wenig mehr als drei Stunden war ich unter der Woche unterwegs. Meine Oberschenkel haben am lautesten rebelliert. Komische Sache, wenn der Kopf laufen möchte, aber die Beine auf ihr Recht auf Ruhe pochen. Na ja, ich glaube, ich habe es nicht übertrieben und meinen Erholungsprozess wenn überhaupt nur verlangsamt.

Am Samstag war ich dann zu meinem ersten Crosslauf. Die LG Göttingen organisiert in den nächsten zwei Monaten eine Serie von drei Crossläufen und ich dachte mir, ich könnte mich ein wenig von neuen Strecken inspirieren lassen, oder zumindest ein paar Läufer in Göttingen kennenlernen.
Ich hatte mich für die 10k Strecke gemeldet. Im Wäldchen hinter dem Uni-Sportzentrum war ein Rundkurs abgesteckt worden. Sechs Mal musste die leicht profilierte Strecke durchlaufen werden (So viel zu ‘neue Strecken entdecken’). Eine Tatsache, der ich bei der Anmeldung nicht all zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
Das Wetter war kühl, aber nicht kalt und der Boden war feucht aber nicht schlammig. Das nasse Laub sorgte dennoch für einige brenzlige Szenen. Ich hatte meine Speedcross 2 im Gepäck und diese Entscheidung habe ich später nicht bereut (Dieser Schuh ist gerade mein absoluter Lieblingsschuh!!!).
Die ganze Veranstaltung hatte einen sehr heimeligen Charakter. Jeder schien jeden zu kennen und es hatte etwas von einer Familienfeier. Zugegeben, ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz.
Neben dem 10k gab es zwei Schülerläufe (900 und 1800m) sowie einen 5k. Mit mir waren ungefähr 40 weitere Läufer für die Langstrecke gemeldet. Startschuss war um 15:00 Uhr und schon nach relativ kurzer Zeit lief ich dem Feld hinterher. Man, die waren hier alle ziemlich fix unterwegs und ich realisierte so langsam, was es bedeutet, sechs Mal durch dasselbe Unterholz zu hetzen. Nach nur einem Kilometer machte dann auch noch meine Garmin dicht. Anscheinend war der Speicher voll. War mir noch nie passiert und ich konnte das Problem auch nicht an Ort und Stelle aus der Welt schaffen. Von da an hieß es also ‘nackt laufen’, auf den Körper hören und einmal schauen, wie man ohne technischen Schnickschnack über die Runden kommt (im wahrsten Sinne des Wortes).
Das ging dann auch besser als erwartet, aber der Statistiker in mir trauerte den verlorenen Zahlen für die Auswertung schon nach. Zumindest hing im Start/Zielbereich eine Uhr und ich konnte dort sehen, dass meine Rundenzeiten relativ konstant waren.
Während der dritten Runde wurde ich dann auch das erste Mal von Läufern überrundet. Und man kann sich noch so häufig einreden, man läuft nicht gegen die anderen, sondern gegen die Zeit, überrundet zu werden macht keinen Spass! Meine Stimmung erreichte dann einen absoluten Tiefpunkt, als ich von einem der Läufer mit einem Crosscheck rüde aus dem Weg befördert wurde. Nicht, dass ich den Laufweg versperrte: Natürlich habe ich jedes Mal bereitwillig Platz gemacht, wenn jemand hinter mir auftauchte. Aber das war meinem speziellen Freund wohl nicht genug, der musste mir dann im Vorbeilaufen noch einen Stoß in den Rücken versetzen. Na vielen Dank! Was soll das denn? Ist das erlaubt beim Crosslauf? Oder ist das so Sitte in der Provinz? Es gibt ja noch nicht einmal etwas zu gewinnen. Ich war ob der Unsportlichkeit echt absolut von der Rolle. Aber Jammern nützte nichts. Der Typ war über alle Berge und ich konnte seine Nummer nicht erkennen. Wenn mein Puls bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Limit war, so war er es spätestens nach dem unnötigen Foul.
Man, war ich sauer. Und ich könnte mich auch jetzt noch in Rage reden.
Ich habe dann meine letzten Runden eher trotzig abgespult konnte und konnte mich im Ziel über eine Zeit von 54 Minuten freuen. Da ich so ziemlich als Letzter ins Ziel trudelte, war auch kaum noch jemand von den anderen Läufern da. Ganz zu schweigen von meinem ‘Freund’.
Der nächste Lauf der Serie findet in knapp drei Wochen im Göttinger Wald statt. Und ich werde wieder dabei sein. Das wird dann der letzte Wettbewerb für dieses Jahr. Es reicht dann auch.

Zeit, sich Gedanken über das nächste Jahr zu machen. Eigentlich wollte ich ja 2011 mein Marathon-Debut nachholen, das dieses Jahr ausfallen musste. Aber nach sorgfältiger Abwägung, habe ich mich dagegen entschieden. Irgendwann werde ich bestimmt einmal einen Marathon in Angriff nehmen, aber momentan fehlt mir dafür die Begeisterung. Und eine Marathon-Vorbereitung ist zu aufwendig, als das man den Lauf nur halbherzig angeht.
Nach den Erfahrungen vom Keep-On-Running und den Worldmasters möchte mich in der Zukunft lieber auf das Trailrunning konzentrieren. Aber welche Wettkämpfe kommen in Frage und welche lohnen sich? (Die Dezemberausgabe vom Trail-Magazin wird eine Übersicht bringen. Ich bin schon sehr gespannt.) Es hat dann noch ein paar Tage gedauert, bis ich mich entschieden hatte, nächstes Jahr im Juli bei den 4 Trails anzutreten. Der Jens und die Iris sind ebenfalls mit von der Partie (Ohne die beiden wäre mir die Entscheidung schwerer gefallen…). Vier Läufe in vier Tagen. 160km mit 11000 Höhenmetern. Die nackten Zahlen klingen erst einmal abschreckend, aber es ist noch mehr als ein halbes Jahr Zeit. Im Januar soll die Vorbereitung beginnen. Bis dahin werde ich mich auf die Suche nach passenden Trainingsplänen machen (Tipps und Vorschläge in den Kommentaren oder direkt per email.). Ich freue mich schon auf die neue Saison.





Windstopper Trailrun Worldmasters 2010

8 11 2010

Race Report

Es ist Sonntag, 7. November 2010, 11:00 Uhr. Der Startschuss zum Bittermark-Trail ist gerade gefallen und ich setze mich langsam in Trab. Meine Beine sind noch nicht wirklich begeistert von der Aussicht auf weitere 21.6 km Trail durch den Dortmunder Süden. Aber damit hatte ich eigentlich gerechnet. Fünf bis sechs Kilometer zum warm werden habe ich mir gegeben. Im Mittelteil sollte es dann einigermaß en ‘rund laufen’ und auf dem letzten Viertel müsste ich noch einmal die Zähne zusammen beißen. So zumindest mein Plan. Meine größte Befürchtung ist, dass ich vorzeitig mit Krämpfen ausscheiden muss. Also alles lieber ein wenig langsamer angehen lassen und einmal schauen, was der Rest des Körpers so sagt.

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Das ‘Abenteuer Trailrun’ fing vor vier Monaten an. Ich bin mir immer noch nicht sicher, warum Windstopper gerade mich als einen der drei Kandidaten für das Vorbereitungsprogramm zu den Windstopper Trailrun Worldmasters auserkoren hat. Böse Zungen behaupten, man hätte wohl noch die Kategorie ‘laufbegeisterter, übergewichtiger, End-dreißigjaehriger’ zu füllen gehabt. Wie auch immer die Auswahlkriterien lauteten, ich bin froh und sehr dankbar, dass es mich getroffen hat.

Vier Monate, 900 Trainingskilometer, 12000 Höhenmeter, 100 Trainingsstunden, zwei Testrennen in St. Wendel und einem Höhentrainingslager in Lech später laufe ich also tatsächlich über das Dortmunder Phönix-Gelaende, dem Start- und Zielbereich der Worldmasters. Heute soll sich also zeigen, ob es tatsächlich möglich ist, einen unbedarften Anfänger in nur einem Sommer, auf ein Event wie die Trailrun Worldmasters vorzubereiten.
Mittlerweile hat sich Franz-Josef zu mir gesellt. Gemeinsam laufen wir am hinteren Ende des Feldes und tauschen uns über die ersten beiden Läufe der Worldmasters aus.

Freitag um 15:00 war Start zum Prolog, einem 5km Sprint über das Phönix-Areal. Ich muss zugeben, dass ich diese kurzen Strecken nicht sonderlich mag.
Bei den längeren Strecken, habe ich gelernt, worauf ich achten muss. Ich habe damit begonnen, ein Gefühl zu entwickeln, was ich meinem Körper zutrauen kann und was nicht. Sprintstrecken tun aber einfach nur weh und mir fehlt es wohl an nötiger Tempohaerte oder Selbstgeisselungszwang, um fünf Kilometer am Limit zu laufen. Dennoch bin ich mit dem Auftakt zufrieden. Klar es kann immer etwas besser laufen, aber es kann auch immer etwas schlechter laufen. Dazu kam das Gefühl, dass ich mich nicht all zu sehr verausgabt hatte, und frisch genug für den Rest des Wochenendes war.
Der Freitag endete mit einer Pastaparty, auf der dann neben Preisverleihung und Bilder sowie Video des Tages, Achim Achilles auf dem Programm stand. Ein wahrlich gelungener Auftakt für die Worldmasters.

Franz-Josef kommt aus Dortmund und hat viele Fans und Freunde entlang der Strecke und so kommt es, dass ich ihn an einem der zahlreichen Streckenposten ‘verliere’ und ich alleine mit dem Anstieg in das Bittermark-Gelaende beginne. Die Beine scheinen sich damit abgefunden zu haben, heute noch einmal arbeiten zu müssen. Zugegeben, es fällt mir ein wenig schwer und mein Laufstil sieht sicherlich nicht besonders ästhetisch aus, aber ich bewege mich mit mehr als nur Schrittgeschwindigkeit voran. Und solange ich Läufer vor mir sehe und den ‘Besenlaeufer’ nicht hinter mir höre, brauche ich mir keine Sorgen zu machen.
Der erste Verpflegungsstand ist bei Kilometer sechs aufgebaut. Ein Gel-Paeckchen und Wasser sollen es sein, hatte ich mir vorher überlegt. Ich wollte frühzeitig mit den Gels anfangen, in der Hoffnung, dass es mir mein Körper später dankt.
Die längsten Wettbewerbe, die ich vor dem Sommer bestritten hatte, waren Halbmarathons. Damit ist die heutige Strecke, zumindest, was den Umfang angeht, nichts Neues für mich. Neu ist jedoch einen Halbmarathon zu laufen, nachdem ich keine 24 Stunden vorher ein 36 Kilometer-Rennen absolviert habe.

Der 36 km lange Ruhrklippen-Trail hat es in sich. Man muss sich schon selber davon überzeugen, Dortmund bietet tatsächlich einiges an Höhenmeter. Gut, es sind nicht die Alpen, aber der Ruhrklippen-Trail ist bei weitem nicht flach! In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte es durchgehend geregnet und wir konnten nur erahnen, was das für die Strecke bedeutete. Zum Glück blieb es während des Rennens zumindest teilweise trocken. Eingeteilt hatte ich mir das Rennen in drei 10k-Laeufe und ein 6k-Finish. Das machte das ganze übersichtlicher und es klang machbar. Und so bin ich dann am Samstag zum ersten Mal in meinem Leben zu einem 36 km-Rennen aufgebrochen.

Bei Kilometer 9 stehen Markus, der uns für die Windstopper Trailrun-Facebook Website begleitet, Uli, unser ‘Teamarzt’, und meine Frau an der Strecke. Ich freue mich wahnsinnig, die drei am Streckenrand zu sehen. Sie haben sich einen Platz in der Bittermark ausgesucht, an dem ich noch zwei weitere Male vorbei muss. Die Vorfreude darauf treibt mich an.

Diese Erfahrung hatte ich schon am Vortag gemacht. Nach dem beschwerlichen Aufstieg zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal kurz nach der Hälfte des Ruhrklippen-Trails, war es wirklich eine Belohnung in die Gesichter von Freunden und Bekannten zu blicken, die dort oben warteten. Das und die Verpflegung vor Ort hatten wirklich Auftrieb gegeben. Zu dem Zeitpunkt war ich schon über zwei Stunden unterwegs und hatte noch knapp 16 Kilometer vor mir. Beim ‘Abstieg’ vom Denkmal gab es dann leider auch sofort die erste größere Klatsche. 15 Kilometer vorm Ziel läuft man ein wenig an einer Straße entlang, und ich weiß nicht, ob es der plötzliche Wechsel auf den härteren Untergrund war, oder ein zu überhasteter Bergab-Lauf, auf jeden Fall bekam ich Krämpfe in beiden Waden und musste ein paar Minuten für einige Dehnübungen halten. Sehr frustrierend, mitten im Nirgendwo zu stehen, kein Mensch weit und breit und die Sorge zu haben, dass das vielleicht schon das Ende der ganzen Veranstaltung ist.

Nach einer Viertelstunde komme ich zum zweiten Mal bei den Dreien vorbei und kann meine Handschuhe und mein Buff abgeben. Hatte ich nicht eine Stunde vorher noch gefröstelt? Auf jeden Fall ist mir tüchtig warm und jedes überflüssige Kleidungsstück ist mehr als nur störend. Noch ein paar hundert Meter bis zur zweiten Verpflegungsstelle, dann habe ich den höchsten Punkt des Bittermark-Trails erreicht. Ich halte mich nicht lange dort auf. Ein bisschen Iso, Wasser und ein Stück Banane müssen reichen.
Es geht jetzt tatsächlich bergab und ich muss mich konzentrieren. Technisch wird die Strecke ein wenig anspruchsvoller und es wäre zu dumm, durch eine Unaufmerksamkeit, eine Verletzung und damit wahrscheinlich das Rennen zu riskieren. Aber alle Vorsicht ist vergessen, als ich meine drei Begleiter zum dritten Mal wiedersehe und ich für die Kameras herumalbere. So etwas wird dann auch gleich bestraft und ein paar Schritte weiter knicke ich mit meinem rechten Fuß um. Kurze Schrecksekunde, alles noch dran, alles noch beweglich, kein Schmerz, und weiter. Das hätte mir jetzt noch gefehlt. Eine Verstauchung hätte ich hier wie am Vortag nicht durch Dehnen aus der Welt geschafft.

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Es hatte mich ein ein, zwei Minuten gekostet, die Waden wieder zu lockern. Nach kurzem Antraben stellte ich erfreut fest, dass es doch nicht ganz so schlimm war und ich weiter laufen konnte. Aber von da an saß mir wirklich die Angst im Nacken, dass die Waden jeden Moment vollständig zumachen würden.
Es galt jetzt den letzten größeren Anstieg im Ruhrklippen-Trail zu bewältigen. Zwei Wochen zuvor durfte ich zusammen mit einigen Mitgliedern des LT-Bittermark einen Teil der Strecke ablaufen. Und so steil der Aufstieg zum Denkmal ist, den darauf folgende Anstieg hatte ich besonders in Erinnerung. Er ist nicht ganz so steil, zieht sich aber über mehrere Kilometer und kostet einige Körner. Am Samstag versuchte ich es abwechselnd mit Laufen und Gehen, je nachdem wo mein Puls gerade stand. Zu meiner großen Freude stellte ich fest, dass ich noch Herr meines Pulses war. Das musste ein Trainingseffekt sein und ich sagte mir, dass es um meine Kondition nicht ganz so schlecht stehen konnte. Warum sollten die Beine jetzt nicht mitmachen?

Es geht noch einige hundert Meter Berg runter, bevor ich wieder vor einem Anstieg stehe. Ich muss gestern beim Briefing nicht ganz aufgepasst haben, diesen Hügel habe ich nicht in Erinnerung. Aber hatte mich Marc nicht heute Morgen noch vor zwei kleineren ‘Pulstreibern’ nach der zweiten Verpflegung gewarnt? OK, so schlimm kann es nicht sein. Zähne zusammenbeissen und durch. Aber nach ein paar Schritten stelle ich fest, dass Laufen zu viel Kraft kostet. Also im Stechschritt nach oben marschiert. Auf halber Höhe schließt Michael zu mir auf und ich bin ein wenig neidisch auf den Elan mit dem er den Abhang nimmt. Im Gespräch stellt sich heraus, dass Michael, die Teilnahme an den Worldmasters ebenfalls gewonnen hat. Man, wie klein die Welt doch ist. Michael kommt aus Dortmund und kennt sich in der Bittermark aus. Oben auf dem Hügel angekommen erzählt mir Michael dann auch, dass es jetzt ‘nach Hause’ geht. Und zum ersten Mal an diesem Tag fühle ich, dass ich echt schlapp bin und ich wünschte, ich wäre schon im Ziel.

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Ich erinnere mich, dass die letzten Kilometer am Samstag nicht lustig waren. Trotz der vielen Streckenposten, die mir alle versicherten, dass es jetzt nicht mehr weit sei und ich noch gut aussehen würde, waren meine Beine schwer wir Blei. Ich hatte mir ein Grinsen nicht verkneifen können als die Zahlen auf den Schildern, die die Kilometer ins Ziel herunterzaehlten, ‘plötzlich’ einstellig wurden. Mir wurde da langsam klar, dass das Gröbste geschafft war. Aber auch mit nur wenigen Kilometern vor Augen war es nicht einfach. Ganz im Gegenteil. Eigentlich wurde es mit jedem weiteren Kilometerschild schwieriger. Teilweise kamen mir die Abstände zwischen Schildern zu lang vor und ich war mir sicher, dass man sich irgendwo vermessen hatte.
Auf den letzten fünf Kilometern schaute ich immer häufiger auf meine Pulsuhr und die Zeit, die sie anzeigte, hatte ich doch auf einmal die hirnrissige Eingabe, dass ich die Strecke in unter 4 Stunden 15 Minuten schaffen könnte. Das war aber nur möglich, wenn ich mein Pace auf unter 6min/km drücken konnte.

Ich verpasse fast den dritten und letzten Verpflegungsstand, so abgelenkt bin ich durch das Gespräch mit Michael. Außerdem stelle ich fest, dass Michael der ideale Pacer ist, zumindest scheint das Laufen jetzt einfacher zu sein, als noch vor zwanzig Minuten. Gleich wird die Strecke in den Teil übergehen, den ich schon gestern ‘gelaufen’ bin.

Die letzten zwei Kilometer führten zurück über das Phönixgelaende zur Phönixhalle. Eine flache, offene und demnach windige Passage. Jeder Schritt kam mir so irrsinnig langsam vor, dass ich dachte, ich müsste aussehen wie jemand in Zeitlupe. Die letzten paar hundert Meter führten noch einmal durch einige große Pfützen und Schlammlöcher. Zu dem Zeitpunkt war es mir dann aber auch egal, dreckiger konnte ich bestimmt nicht mehr werden. Kurz vor dem Ziel ein letzter, kleiner Schock. Musste ich noch einmal die Stahltreppe hoch und durch den Hochofen, so wie am Tag zuvor? Die Veranstalter waren aber gnädig und hatten den Kurs direkt ohne weitere Umwege zur Ziellinie geführt. Mit den Fahnen und Zuschauern vor Augen konnte ich dann auch mit einem Lächeln, wie ursprünglich geplant, die letzten Meter zurücklegen. Tom Boeger von Gore stand im Ziel und hat jeden einzelnen Läufer in Empfang genommen. Eine tolle Geste! Ich habe mich wahnsinnig gefreut.

Ahh, da ist sie wieder, diese weite, ebene, unbebaute Fläche, der Hochofen im Hintergrund, noch ein letztes Mal durch die Schlammlöcher auf dem Feld vor der Phönixhalle und jetzt fängt der Michael auch noch an zu spurten. Wo nimmt er das denn jetzt noch her? Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich dran bleiben will. Auch wenn ich es morgen vielleicht bereue, ich verfalle ebenfalls in einen Sprint…

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Danksagung

Dieses einzigartige Erlebnis wäre nicht möglich gewesen ohne eine ganze Reihe von Menschen, denen ich an dieser Stelle danken möchte.

Windstopper ist das Risiko eingegangen, drei Trail-Novizen, das Trail-Abenteuer Windstopper Trailrun Worldmasters zu sponsorn. Dafür und für das Vertrauen, was man in uns gesetzt hat, möchte ich mich bedanken, allen voran bei Tom und Doris von Windstopper/Gore.

Während der letzten vier Monate wurden wir betreut und begleitet von Markus und Katja von massklusive. Es hat sehr viel Spaß mit euch beiden gemacht! Vielen, vielen Dank! Sobald ich das nächste Mal in Hamburg bin, melde ich mich bei euch! Das erste Bier geht auf mich!

Ich hätte es am Sonntag nicht über die Ziellinie geschafft, ohne das Coaching von Dirk! Er war es, der unsere Trainingsplaene zusammen gestellt und je nach Feedback angepasst hat. Das Ganze lief quasi online ab und Dirk musste uns aus der Ferne trainieren. Bei weitem keine leichte Aufgabe! Vielen Dank hierfür! Der beste Beweis, dass Dirk seinen Job hervorragend erledigt hat, ist der, dass wir es alle geschafft haben!

Wer noch nie in oder um Dortmund laufen war, hat etwas verpasst. Einer der sympathischsten Lauftreffs, der LT Bittermark, ist dort beheimatet und hat mit dem Ruhrklippen-Trail und dem Bittermark-Trail zwei großartige Trail-Strecken kreiert. Vielen Dank!

Sollte ich mich in der Zukunft zwischen zwei Lauf-Events entscheiden müssen, werde ich sicherlich immer das wählen, das von Plan B organisiert wird. Ein super Team, das ich in St. Wendel und Dortmund kennenlernen durfte und das ein Garant für professionell organisierte Sport-Events ist.

Denis vom Trail-Magazin gebührt besonderer Dank für unzählige Tipps, Hilfestellungen und Support und natürlich dafür, dass er uns gleich mehrmals ins Trail-Magazin aufgenommen hat!

Ähnliches gilt für den Gripmaster! Vielen Dank! Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Monaten, ist es sicherlich: Höre immer auf den Gripmaster! ;-)

Unser ‘Teamarzt’ Uli hat uns vier Monate lang begleitet. Schon beim ersten Treffen, dem medizinischen Check-up, war bemerkenswert, was für eine Ruhe und Kompetenz er ausstrahlte. So manch anderer Arzt kann sich da eine Scheibe abschneiden. Ich bin in den letzten Monaten verletzungsfrei geblieben, wusste aber zu jedem Moment, dass ich mich in guten Händen befinden würde, sollte mir etwas passieren. Dafür vielen, vielen Dank! Ich habe von Jens gehört, dass wir nächstes Jahr zusammen laufen werden? Ich freue mich drauf!!!

Kein Ereignis wie die Trailrun Worldmasters in Dortmund oder das Keep-On-Running in St. Wendel würde auch nur ansatzweise funktionieren, wären da nicht die unzähligen freiwilligen Helfer und Streckenposten. Euch allen, die ihr da draußen stundenlang bei Kälte und Regen ausgeharrt habt und für jeden Läufer, so langsam er auch war, ein aufmunterndes Wort parat hattet, ein riesiges Dankeschön!!! Besonderer Dank an Tanja für ihre High-fives!

Ich war schier begeistert von dem Zuspruch, den wird über Facebook und Twitter von wildfremden Personen bekommen haben. Wahnsinn! All den Menschen, die in den letzten Monaten mit uns gelitten haben, sich mit uns gefreut haben, mit uns mitgefiebert haben, uns Tipps und Ratschläge gegeben haben, all den Menschen, die uns virtuell auf die Schulter geklopft haben, ein großes Danke! So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten. Zum Teil, habe ich einige von Euch in Dortmund endlich in natura getroffen. Ich hoffe, wir werden uns weiterhin über den Weg laufen!!!

Iris und Jens, ich hatte einen tollen Sommer 2010 mit Euch. In den letzten Monaten seid ihr zu mehr als nur Trainingspartner geworden. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit! Das Trainingsprogramm für die Worldmasters 2010 ist vorbei, aber ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder gemeinsam bei dem einen oder anderen Event am Start stehen!

Zum Schluss möchte ich noch der Person danken, ohne deren Zuspruch und Unterstützung ich nicht in Dortmund angetreten wäre. Meine Frau musste in den letzten Monaten ein ums andere Mal sehr viel Verständnis für mein Training aufbringen. Dafür und für ihre Geduld gebührt ihr das größte Dankeschön.

So, what’s next?

In den nächsten Tagen wird erst einmal pausiert. Vielleicht gönne ich mir ein leichtes Traben, wenn mir danach ist, aber ansonsten werde ich die Füße hochlegen.
Aber wie soll es im nächsten Jahr weitergehen? Ich bin schon vor dem Start des Trainingsprogramms gerne und regelmäßig gelaufen. Aber es wird mir nach diesem Sommer und den Wettbewerben in St. Wendel und Dortmund schwer fallen, zurückzukehren zum Straßenlauf. Das Trailrunning ist zu einer neuen Leidenschaft geworden. Dementsprechend werde ich mir Events fürs nächste Jahr heraussuchen. Falls ihr also Vorschläge und Tipps habt, nur her damit.
Ich bin sicherlich noch nicht an meiner Leistungsgrenze angekommen und ich bin gespannt auf das, was noch alles möglich sein wird.

Man kennt das ja, Läufer sind schon ein verrücktes Völkchen, aber Trailrunner sind echt total durchgeknallt! Ich freue mich, ein Teil davon geworden zu sein. Wir werden uns da draußen irgendwo wiedersehen!








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